Nachruf auf Pfarrer Dietmar Beuchel (1934 – 2021)

Am 15. Juli verstarb unser Gründungsmitglied und erster Vorsitzender, Dietmar Beuchel, nach langer Krankheit in Potsdam. Als Pfarrer an der Nikolaikirche setzte er zu Zeiten der DDR durch die von ihm konzipierte und organisierte Ausstellung „Juden in Potsdam und der Mark Brandenburg“ ein starkes Zeichen für eine Beschäftigung mit der jüdischen Religion und Geschichte. Nach der Erstvorstellung 1988 wurde die Ausstellung im Laufe der Jahre an vielen Orten in der Landeshauptstadt präsentiert.

Als Anfang der 90er Jahren die ersten Jüdinnen und Juden aus der ehemaligen Sowjetunion nach Brandenburg und nach Potsdam kamen, unterstützte Dietmar Beuchel sie bei den ersten Schritten hin zur Gründung einer Jüdischen Gemeinde 1991. Er zählte auch zum Kreis der Personen, die 1993 eine Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Potsdam gründeten, die erste in den neuen Bundesländern.
Als Vorsitzender der GCJZ von 1993 bis 2003 legte er viele Grundsteine im christlich-jüdischen Dialog, auf denen wir bis heute aufbauen. Dabei war ihm immer wichtig, dass sich das neue jüdische Leben in Potsdam frei entfalten kann. Für sein Engagement ehrte ihn der Deutsche Koordinierungsrat anlässlich des 20jährigen Bestehens unserer Gesellschaft
2013 mit der Ehrennadel.


Für Dietmar Beuchel war es ein Herzenswunsch, dass die Jüdinnen und Juden in Potsdam ihre Religion wieder in einer Synagoge leben können. Dafür hat er sich immer eingesetzt und nach Verbündeten gesucht. Es ist schade, dass er die Grundsteinlegung für die Synagoge am Schlossplatz, die in diesem Herbst erfolgen soll, nicht mehr erleben kann.
Auch als seine Krankheit ihn schon gezeichnet hatte, blieb er doch stets an den Entwicklungen im christlich-jüdischen Gespräch und an Neuigkeiten aus den Jüdischen Gemeinden interessiert und ließ sich von seinen Nachfolgern im Amt informieren.

Wir werden unsere Arbeit in seinem Sinne fortsetzen.

Nachruf auf Michael Schall (1950 – 2021)

Am 27. Mai verstarb völlig unerwartet unser Vereinsmitglied Michael
Schall. 2015 wurde er unser Geschäftsführer und unterstützte in dieser
Funktion den Vorstand ganz wesentlich in seiner Arbeit, u.a. kümmerte
sich Michael um die Buchhaltung unseres Vereins. Er vertrat die GCJZ
Potsdam aber auch bei Veranstaltungen wie beispielsweise bei Tagungen
des Deutschen Koordinierungsrates, unseres Dachverbandes.

Über die Arbeit der GCJZ hinaus engagierte sich Michael sehr in der
Jüdischen Gemeinde Stadt Potsdam. So unterrichtete er dort Mitglieder
in einem Deutschkurs, dokumentierte das Gemeindeleben als Fotograf,
leitete Exkursionen und wirkte im Redaktionsteam der gemeindeeigenen
Zeitung „Alef“ mit.


Er war eine wichtige Verbindung zwischen der Gemeinde und der
GCJZ, durch seine Arbeit unterstützte er das regelmäßige Gespräch
und die praktische Zusammenarbeit sehr.


Wir sind dankbar für die Zeit mit ihm. Michael wird uns als ein Mensch mit großem Herzen in lebendiger Erinnerung bleiben.

Woche der Brüderlichkeit 2021 – fotografische Impressionen

Wir teilen gerne einige Fotos von der Eröffnung der Woche der Brüderlichkeit am 26. Mai 2021 im Plenarsaal des Landtages Brandenburg.

Woche der Brüderlichkeit 2021 – Festveranstaltung am 26. Mai 2021

Landtagspräsidentin Prof. Dr. Ulrike Liedtke MdL und die GCJZ Potsdam laden Sie am Mittwoch, dem 26. Mai 2021, um 18:00 Uhr zur Festveranstaltung im Online-Format ein.
Publikum vor Ort ist aus Corona-Schutzgründen nicht zugelassen;
die Veranstaltung wird per Livestream auf der Website des Landtages
übertragen: www.live.landtag.brandenburg.de.

Im Anschluss an die Veranstaltung ist das Video auf dem YouTube-Kanal des Landtages abrufbar.

Die Einladung zur Veranstaltung mit dem Programm können Sie hier einsehen.

Frei von Sklaverei und Tod: PESSACH beziehungsweise OSTERN

CHAG PESSACH SAMEACH! FROHE OSTERN!

Interreligiöses Gespräch am Montag, den 19. April 2021 um 19 Uhr

OSTERN ist das höchste Fest der Christen, PESSACH eines der wichtigsten Feste der Juden. Beide sind Gedächtnisfeiern und stehen im Zentrum des Glaubens dieser abrahamitischen Weltreligionen.

Wir wollen über Parallelen und Unterschiede zwischen diesen beiden Festen sprechen und freuen uns auf unsere Gesprächspartner Rabbiner Max Feldhake und Propst Dr. Arnd Franke.

Sie können den Livestream des Gespräches aus der Kirche St. Peter und Paul verfolgen auf: Katholische Kirche im Potsdamer Land

Gedenkveranstaltungen zum 9. November 1938

Die geltenden Regelungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie machen es erforderlich, dass das Gedenken anlässlich der Pogrome vom 9. November 1938 in diesem Jahr leider anders als gewohnt ablaufen muss. Konkret bedeutet dies:

Grundsätzlich können den ganzen Tag hindurch am Ort der Alten Synagoge Blumen und Gebinde niedergelegt werden. Zu bestimmten Zeiten wird es Gebete/Lesungen geben – dann allerdings können nur max. 15 Personen gleichzeitig anwesend sein. Bitte denken Sie an eine Mund-Nasen-Bedenkung und halten Sie Abstand!

Zeiten für Gebete/Gedenken/Lesungen:

12.30 Uhr

13.30 Uhr

14.30 Uhr

15.30 Uhr

16.30 Uhr

Max Feldhake zum Rabbiner ordiniert

Unser Vorstandsmitglied Maximilian Feldhake hat sein Studium der Jüdischen Theologie an der Universität Potsdam und seine Rabbinerausbildung am Abraham Geiger Kolleg erfolgreich abgeschlossen. In seiner Abschlussarbeit beschäftigte sich Max mit
einem sehr aktuellen Thema, dem Militärrabbinat im 21. Jahrhundert.


Am 29. Oktober 2020 wurde er in der Synagoge Rykestraße in Berlin in das geistliche Amt eingeführt, die Ordination nahm der Rektor des Abraham Geiger Kollegs, Rabbiner Prof. Walter Homolka vor, auch ein Mitglied unserer Gesellschaft.


Als Ordinationsspruch hat sich Max einen Abschnitt aus Deut 30,12 ausgewählt: „Nicht im Himmel ist’s.“ Während der Ordinationsfeier legte Max diesen Abschnitt und eine korrespondierende Stelle des Talmud aus. Ein Zitat sei erlaubt: „Wir verstehen uns in der Tradition von Abraham Geiger, Zacharias Frankel und Regina Jonas – und das ist richtig so. Aber jetzt haben wir Rabbiner und Rabbinerinnen in Deutschland und in ganz Europa die Aufgabe, neue Traditionen zu entwickeln, zu einem starken und selbstbewußten Judentum
des 21. Jahrhunderts beizutragen. Nicht im Himmel, sondern hier bei uns liegt diese Aufgabe: Wir tragen die Verantwortung für Traditionen und Menschen – und ich freue mich darauf, mein Bestes zur Realisierung dieser Aufgabe beizutragen.“


Wir freuen uns riesig mit Max und wünschen ihn für seine Arbeit als Rabbiner viel Erfolg und den Segen des Ewigen. Und wir sind froh über seine weitere Mitarbeit im Vorstand und das gemeinsame Wirken für die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Potsdam!


Mazal tov!
Tobias Barniske
Vorsitzender, im Namen des Vorstandes

Nachruf auf Dr. Hans-Jürgen Schulze-Eggert (1937-2020)

Völlig unerwartet ist am 16. Oktober unser Mitglied Dr. Hans-Jürgen Schulze-Eggert verstorben. Die Nachricht von seinem Tod hat uns alle sehr erschüttert und tief berührt. Jahrelang arbeitete er im Vorstand unserer Gesellschaft mit und in den Jahren 2004 bis 2016 hatte er den Vorsitz inne.

Hans-Jürgen war promovierter Jurist und auf höchster Ebene im Bundeslandwirtschaftsministerium in Bonn aktiv. Anfang der 1990er Jahre kam er nach Potsdam, um hier am Aufbau des Landwirtschaftsministeriums mitzuwirken.

Er war ein in bewundernswerter Weise auf ganz vielen Ebenen begeisterungsfähiger Mensch, ein Sinnbild des engagierten Bürgers. Er brachte sich in seiner Kirchengemeinde, der Auferstehungsgemeinde, ein, in Landesarbeitskreis Christen und Juden der EKBO, in Friedensinitiativen und Parteien wie Bündnis 90/Die Grünen oder bei Fridays for Future. Gemeinsam mit seiner Frau Inge übernahm er die Vormundschaft für Muladad und Morteser, zwei minderjährigen Flüchtlingen.

Ganz besonders lag ihm aber daran, die Erinnerung an die Geschichte der Juden in Potsdam und im Land Brandenburg zu bewahren und die Entwicklung neuen jüdischen Lebens zu fördern. So hat er sich maßgeblich in der Erinnerungsarbeit an die Verbrechen des Nationalsozialismus in der Landeshauptstadt engagiert und sich in das Gedenken an die Pogrome des 9. November 1938 eingebracht. Hans-Jürgen setzte sich für die Verlegung von Stolpersteinen ein und für die Einrichtung einer Gedenktafel für Dr. Ludwig Lewy im Rathaus Potsdam. Er gründete den Bauverein Neue Synagoge Potsdam e.V. mit und war lange im Vorstand dieses Vereins aktiv.

Alle Aufgaben nahm Hans-Jürgen mit einem hohen Verantwortungsbewußtsein wahr, und das zeigte sich auch in seiner Arbeit für unsere Gesellschaft. Vor allem suchte er immer den Dialog, das Gespräch und die Zusammenarbeit mit Anderen. Er machte die Eröffnung der „Woche der Brüderlichkeit“ durch die Kooperation mit dem Landtag Brandenburg und dem Filmmuseum Potsdam zu einer weithin beachteten Veranstaltung in Stadt und Land. Er suchte die Zusammenarbeit mit den Schulen in Potsdam und band die Gesellschaft in die interreligiöse Initiative „Anders als du glaubst“ ein. Gemeinsam mit Schwester Johanna Schwalbe begründete er das Jüdisch-christliche Gespräch im Kloster St. Gertrud in Alexanderdorf; eine Veranstaltung, die zu einem wesentlichen Eckpunkt in unserem Kalender geworden ist.

Dank seines Einsatzes konnte die Gesellschaft – entgegen dem bundesweiten Trend – jedes Jahr neue Mitglieder gewinnen und zu einer anerkannten Stimme im interreligiösen Gespräch in Potsdam werden.

„Ein jegliches hat seine Zeit: Geboren werden und sterben, lachen und weinen, sich umarmen und sich lösen.“ Mit diesen Worten aus dem Buch Kohelet wurde Hans-Jürgen zur letzten Ruhe gebettet. Wir sind dankbar für die Zeit mit ihm. Hans-Jürgen wird uns als ein Mensch mit weitem Herzen und als ein Freund, an den man sich stets vertrauensvoll wenden konnte, in lebendiger Erinnerung bleiben.

Tobias Barniske für den Vorstand